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Filterballs – Test, Filterleistung, Handhabung, Tipps + Tricks

In diesem Beitrag schauen wir uns Filterballs genauer an. Inklusive Test!

Filterballs auf einem TischFilterballs – überragende Filtrierung oder Keimschleuder?

Filter Balls polarisieren die Leute teils extrem stark. Dazu kommen Legenden, Falschvorstellungen und Falschhandhabungen. Wir wollen also zuerst versuchen Mythen und Fakten voneinander zu trennen.

 

Fakt 1: Filterballs filtrieren viel genauer als Sand oder Filterglas

Filterbälle können sehr kleinen Schmutz aus dem Wasser filtern. Die Filtergenauigkeit geht runter bis auf 1,5μm. Sand liegt ungefähr bei 40μm und manche Filterglasarten kommen auf 30μm runter. Das heißt, dass Filter Balls 20 bis 30-fach feiner filtern als Sand oder Filterglas. Sand und Filterglas können nur im Zusammenhang mit Flockungsmitteln etwas feinere Filterergebnisse erreichen. Dazu darf das Wasser in der Sandfilteranlage aber nicht zu schnell sein. Das Dumme daran: Bei den meisten Sandfilteranlagen fließt das Wasser viel zu schnell und die geflockten Partikel werden wieder aufgebrochen und landen im Pool. Das heißt, dass Sand im Zusammenhang mit Flockungsmitteln nur unter idealen Bedingungen besser filtriert als Filter Bälle. Filter Balls sind also in Anfänger Setups oftmals die bessere und sicherere Wahl, wenn es darum geht möglichst zuverlässig möglichst fein zu filtern.

Extreme Nahaufnahme von Filterballs

Von nahmen zu erkennen: Die extrem feine Struktur

Fakt 2: Flockungsmittel und Filterbälle können nicht kombiniert werden – aber…!

Das ist absolut richtig. Die entstehenden Flocken würden die Bälle verstopfen und nach einigen Tagen würde die Filterleistung der Filterballs komplett oder teilweise zusammenbrechen. Aber: Die ohnehin schon extrem feine Filtergenauigkeit der Bälle kann mittels Klarmachern sehr wohl noch weiter gesteigert werden. Klarmacher wirken ähnlich wie Flockungsmittel, verstopfen aber die Bälle nicht. Von dem her sind Sie eine interessante Wahl.

 

Mehr Infos zu Flockungsmitteln und Klarmachern gibt es in diesem Video:

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Mythos I: Filterballs sind Keimschleudern

Bakterien setzen sich fest

Wer bei Filter Balls Bakterienbefall bekommt, wird das zu 90% auch bei Sand bekommen!

Bei diesem Punkt geben sich Legenden, Vorurteile und auch ein wahrer Aspekt die Hand. Die Theorie: Sand und Filterglas kann man rückspülen, während Filter Balls nicht rückspülbar sind, weil man sonst Verstopfungen im Mehrwegeventil riskiert. Rückspülen bedeutet das physikalische Entfernen des Unrats aus dem Filterkessel und damit aus dem Poolwasser. Dieser entfernte Unrat ist mit vielen organischen Substanzen durchsetzt und dient Bakterien, Viren und Mikroorganismen als „Wohlfühloase“. Bei schlechter Handhabung ist diese Theorie auch zutreffend. Wer sein Wasser nicht unter Kontrolle hat, wird durch die Nicht-Rückspülbarkeit eine höhere Belastung mit Mikroorganismen haben.

 

Wer es bei Bällen versemmelt, vermasselt es vermutlich auch bei Sand:

Aber: Auch bei der Nutzung von Sand wird die selbe Person mit dem selben Setup zu 90%

Sand Nahaufnahme

Sand: Auch hier können sich schwer problematische Biofilme bilden!

schwere Probleme bekommen. Wenn Mikroorganismen im Kessel überleben, dann tun sie es im Pool erst recht. Grund: In den Pool gelangen Licht und vor allem UV Strahlen. UV Strahlen lösen Chlor auf und hemmen so die Desinfektion. Im Filterkessel gibt es das wiederum nicht – hier wirkt Chlor – bei korrekt eingestellten pH Wert – so effizient wie nirgends wo anders im Pool. Das heißt: Im Filterkessel ist es am ehesten und am leichtesten mit der Desinfektion. Wird korrekt gechlort, dann macht es kaum einen Unterschied, ob Sand oder Filter Bälle benutzt werden, denn in beiden Fällen ist es im Kessel bestens desinfiziert. Was aber sehr wohl wahr ist: Der Chlorverbrauch ist bei Sand und Filterglas etwas geringer, weil der entfernte Unrat nicht behandelt werden muss. Fortgeschrittene können bei sauberen Vorgehen die Herstellerangaben bei der Chlorung unterschreiten. Anfänger sollten dies hingegen auf keinen Fall tun.

 

Kurz: Anfänger haben in der Praxis keine Nachteile bei Nutzung von Filterballs, da sie so oder so bei der Chemie nicht sparen sollten. Fortgeschrittene Nutzer und Profis, die genau wissen, was sie machen, können hingegen den Chlorverbrauch ssenken, indem sie Sand oder am besten AFM Filterglas nutzen.

AFM Filterglas

Schroff und leicht selbst desinfizierend: AFM. Für Fortgeschrittene eine sehr gute Wahl. Anfänger sollten erst Erfahrungen mit Filter Bällen sammeln.

 

Mythos II: Das Wasser wird aufgrund der Bälle grün

Poolwasser ist braun

Das Poolwasser ist braun – vermutlich ein Metallausfall. Metall-Ex hilft!

Dieses manchmal vorgetragene Vorurteil findet man in manchen Rezensionen im Internet. Tatsächlich beruht es auf realen Beobachtungen, weil man einen Sandfilter mit Filter Bällen betreibt und das Wasser grünlich oder bräunlich wird! Hier wird aber Ursache und Wirkung verwechselt: Grünes Wasser entsteht entweder aufgrund von Algen oder von Metallausfällen (insbesondere bei Brunnenwasser). Hier ist die Handhabung das Problem – nicht das Filtermedium. Leider suchen sich Anfänger mangels Wissen eine naheliegende Vermutung, die sie dann als Wahrheit im Internet posaunen. Kann man machen, hilft aber niemanden.

 

Filterballs im Test

Nun von der Theorie zur Praxis: Wir haben Filterbälle getestet. In unserem Fall die Version von Steinbach. Wobei diese sinnbildlich auch für andere Bälle stehen. Wirklich nennenswert unterscheiden sich die Modelle verschiedener Hersteller unserer Meinung nach nicht. Hier findet Ihr verschiedene Modelle:

 

Wir haben übrigens auch einen Video-Test, der einen Großteil der Infos aus diesem Beitrag abdeckt:

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Leistungsauswirkung und Gewicht

Was bei mehreren Sandfilteranlagen auffällt: Der Gegendruck ist merklich geringer als bei Sand. Im Umkehrschluss liegt bei manchen Pumpen der Durchsatz höher oder der Stromverbrauch sinkt. Das ist sehr erfreulich und ohne Wenn und Aber ein Pluspunkt. Manche Hersteller und Händler preisen das Gewicht der Filterballs als Vorteil  gegenüber Sandfilteranlagen an. Wir empfinden das nicht als Vorteil, denn sobald der Filterkessel mit Wasser befüllt wird, wird es ähnlich schwer wie mit Sand. Einfach weil mehr Wasser in den Kessel passt – auch wenn man volumenmäßig den Kessel ähnlich wie mit Sand füllt.

Filterballs vs Sand weniger Gegendruck bei den Bällen

Filterballs: Reinigungsleistung

Wie im Video zu sehen bekommt man auch einen extrem verdreckten Pool absolut sauber. Im Test haben wir keine Klarmacher benutzt – optisch hätte es hingegen aber kaum besser sein können. Was im Video nicht so gut zu sehen ist: Das Wasser ist derart sauber, dass man aus verschiedenen Blickwinkeln nicht die Oberfläche erkennen konnte. Das ist nur dann möglich, wenn absolut keine sichtbaren Partikel im Wasser sind, die Tiefeninformation geben könnten. Somit können wir das Reinigungsergebnis als perfekt bezeichnen. Was natürlich klar ist: Für die Filterpumpe sind abgesunkene Partikel und wenige Oberflächenpartikel nicht erreichbar – diese haben wir im Test manuell entfernt. Das wäre aber bei Sand oder Filterglas 100% genau so.

Filterballs Reinigungsergebnis vorher nachher

Links: Testbeginn. Rechts: Testende.

Handhabung der Bälle

Filterballs sind nach dem Test extrem dreckig

Bälle sind nach dem Test extrem dreckig.

Da eine Rückspülung nicht möglich ist, empfiehlt es sich, die Bälle ein bis zwei mal je Saison gründlich auszuwaschen. In unserem privaten 549x274x132 Pool haben wir über die ganze Saison auf ein Auswaschen verzichtet – wobei wir natürlich genau wissen, was wir tun. Anfänger sollten also definitiv ein bis zwei mal je Saison Klar Schiff machen. Eine Handwäsche hat zwar optisch bereits viel gebracht, aber strahlend weiß haben wir es auch nach einer dreiviertel Stunde Bearbeitung nicht hingebracht. Erst der intensive Einsatz in einer Waschmaschine hat geholfen. Wobei: Wirklich happy waren wir erst bei 40°C in Kombination mit ein wenig Waschmittel. Dabei soll man laut Hersteller 30°C nicht überschreiten und auf Waschmittel verzichten!?! Letzten Endes liegt es an Euch, wie Ihr vorgeht. Wir haben definitiv einen deutlichen Unterschied gemerkt, wenn wir die Herstellerempfehlung überschritten haben.

gewaschene Filterballs

Mit vollem Einsatz einer Waschmaschine samt Waschmittel gelang uns dieser Zustand.

Filterballs im Dauereinsatz

Im obigen Testvideo haben wir die Filter Balls über einige Tage intensiv benutzt, aber in unserem Poollabor haben uns Filter Bälle durchaus noch länger begleitet. Ebenfalls

aufgeschnittene Filterballs

Schneidet man einen gewaschenen Ball auseinander erkennt man: Innen ist noch Schmutz.

haben wir sie im privaten Pool genutzt, um noch mehr Erfahrungen zu sammeln. Hier die Resultate: Auch nach intensiver mehrmonatiger Nutzung in einem stark beheizten Becken mit dem 26676 Salzwassersystem war das Wasser stets sauber – obwohl wir aus Testzwecken auf ein Auswaschen verzichtet haben! Die Bälle sind natürlich stark verschmutzt und auch wenn man sie waschen kann: Tiefenrein geht es nicht. In unserem Testvideo seht Ihr, dass man beim Aufschneiden der Bälle feststellt, dass der Schmutz im Inneren nicht restlos entfernt wird. Wir selbst würden also Filterbälle nur eine Saison nutzen – wobei 2 Saisonen durchaus gehen würden. Filterballs sind übrigens recyclebar.

 

Poolpanda überlegt, darüber, ob sich eine Reparatur lohnt, wenn die Sandfilteranlage beschädigt ist und nicht mehr richtig zieht.Wann sind Filterballs eine sinnvolle Wahl?

Anfänger sollten auf Filterballs setzen. Die extrem hohe Filtergenauigkeit hilft dabei, das Wasser möglichst rein zu halten und organische Partikel in den Kessel zu bekommen – wo das Chlor seine desinfizierende Arbeit am Besten verrichten kann. Insbesondere bei Sandfilteranlagen mit hoher Leistung und eher kleinen Kesseln sind Filterbälle auch bei Fortgeschrittenen eine sinnvolle Wahl, weil bei diesen Anlagen sonst einfach zu viele Kleinstpartikel durchrauschen würden.

 

Setups mit Sand? Nur in derartigen Konstellationen:

Anfänger sollten nur dann auf Sand oder Filterglas setzen, wenn sie hierfür gut geeignete Sandfilteranlagen nutzen. Geeignet wären beispielsweise diese Anlagen:

Kombiniert man obige Sandfilter mit feinen Sand und Flockungsmittel, dann können auch Anfänger hier nichts falsch machen. Wobei: Derartige Anlagen liefern selbstverständlich auch mit Filterbällen großartige Ergebnisse. Habt Ihr hingegen eine Sandfilteranlage mit 250 Watt und einen 10kg Kessel oder eine 550 Watt Pumpe mit einem 25kg Kessel, dann raten wir hingegen mit Nachdruck zu Filter Bällen.

 

Konstellationen, in denen Filterballs eine schlechte Idee sind:

Stellt sich die Frage, wann Filterbälle keine gute Wahl sind? Uns fallen hier zwei Szenarien ein: Bei Einbaubecken, in denen das Poolwasser nicht jährlich getauscht wird, sind Sand und Filterglas besser geeignet, da dank der Rückspülungen regelmäßig Frischwasser hinzugefügt werden muss, was die sogenannte Cyanursäure tendenziell im Lot hält. Wobei: In solch einer Konstellation sollte man sowieso anorganisches Chlor nutzen und dann ist das wieder kein Thema

Naturpool

Pools ohne Chemieeinsatz oder Wassertausch profitieren tendenziell von Rückspülungen am Stärksten. Wer solch einen Pool betreibt hat aber normalerweise viel Wissen und Erfahrung!

Das zweite Szenario wäre ein low-chemical Setup. Will man möglichst chemiefrei sein, dann helfen regelmäßige Rückspülungen sehr gut weiter. Auch wirkt AFM selbstdesinfizierend, was den Chemiebedarf noch einmal senkt. Fortgeschrittene können über solch ein Setup nachdenken – wir werden bei Zeiten hierzu ein Video veröffentlichen.

 

FazitPoolpanda erklärt

Filterbälle sind ideal für Anfänger. Vorurteile und Mythen sind zumeist theoretischer Natur oder nicht zu Ende gedacht beziehungsweise werden aus Sicht von weit fortgeschrittenen Poolnutzern vorgetragen, die Anfängersituationen nicht mehr nachvollziehen können. Ja: Wer genau weiß, was er tut, wird mit Sand und Filterglas besser fahren. Doch das ist eben bei Anfängern nicht der Fall. Anfänger bekommen durch Filterballs aufgrund der hohen Filtergenauigkeit und der Leistungssteigerung der Pumpe deutliche Vorteile, die nur Fortgeschrittene und Profis mühelos ausgleichen können.